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Künstler: Adler
Datum: 10.11.2009
Bild Link: http://www.fotos.sc/image/227134 (I-Frame - für Foren, Blogs etc.)
Beschreibung: Ladenburg, eine große römische Siedlung

Drei Straßen tragen in Ladenburg Namen von römischen Kaisern. Es sind dies die Domitian-, die Trajan- und die Valentinianstraße. Die Namen stehen für den Beginn, die Blütezeit und das Ende der römischen Siedlung Lopodunum.
Kaiser Domitian ließ ein erstes kleines Kastell am Neckarufer in der Nähe einer vorrömischen Siedlung errichten. Es wohnten dort seit Beginn des 1. Jahrhunderts v.Chr. zugewanderte Sueben, die mit den Römern in enger Beziehung standen. Kaiser Trajan erhob um 100 n.Chr. die römische Siedlung zum Hauptort des umliegenden Bezirks. Kaiser Valentinian baute um 370 n.Chr. in dem zum Teil verlassenen Ort eine letzte Befestigungsanlage gegen die Alamannen. Er wollte damit den Neckarübergang für das römische Heer erhalten.
Die zweieinhalb Jahrhunderte dazwischen sind beispielhaft für die römische Besiedlung in Südwestdeutschland.
Lopodunum verdankte seinen Anfang wie viele andere römische Siedlungsplätze militärischen Erwägungen. Um ihre Besitzungen zu sichern, unternahmen römische Truppen immer wieder seit den Kaisern Augustus und Tiberius Kriegszüge gegen Germanien (so hieß seit Caesar das rechtsrheinische Gebiet). In dem zwischen Rhein und Donau eroberten Land stellten sie Kastelle auf. Römische Heerführer ließen von den Soldaten Straßen zur Verbindung der einzelnen Kastelle bauen. So konnten die Soldaten bei einem Aufstand schnell zur Stelle sein.
Nach dem ersten Kastell unter Domitian entstand um 90 n.Chr. an der römischen Fernstraße von Mainz über Heidelberg zu den Kastellen am mittleren Neckar das Kastell Lopodunum. Die Mauern dieses für 50 Mann angelegten Lagers waren am Sockel 2,20 m dick und bis zu 2,75 m hoch. Sie umschlossen ein Rechteck von 168 m Breite und 185 m Länge. Tortürme bewachten die Eingänge. Das Baumaterial wurde von den Buntsandsteinbrüchen im Neckarraum auf dem Fluß transportiert.
Wie bei anderen Kastellen ließen sich in unmittelbarer Nähe Kleinhändler und Handwerker nieder. Sie versorgten auch die Soldaten. Aus diesem Lagerdorf entstand die zivile römische Siedlung Lopodunum, wobei die ältere Siedlung der Sueben einbezogen wurde. Wegen Truppenverlegungen hatten die Soldaten das Kastell aufgegeben. Kaiser Trajan erhob das Dorf zum Verwaltungsort der Region; es erhielt städtischen Charakter.
Um 200 n.Chr. war Lopodunum ausgebaut. Eine Wehrmauer von 2470 m Länge umschloß die Siedlung. Wie bei Städten bildete das Forum, der Marktplatz mit Marktbasilika, die Mitte des Ortes. Diese öffentliche Anlage hatte eine stattliche Größe. Marktgebäude umsäumten mit ihren Säulengängen auf 75 m Länge und 41 m Breite diesen Platz. Am Kopfende im Osten stand die zweischiffige Marktbasilika. An ihrer Längsseite war ein Anbau, dem Chor einer heutigen Kirche ähnlich. In dieser Apsis tagte der Gemeindevorstand. Das Forum wurde auf dem Gelände des ehemaligen Kastells errichtet.
Von Nord nach Süd durchquerte die römische Fernstraße Lopodunum. Vermutlich schützten Türme die Stadtausgänge. Entlang der Straße standen sogenannte römische Streifenhäuser. Vom Gehweg, der überdacht war, betrat man zuerst die Geschäftsräume. Dahinter schloß sich die Wohnung aus mehreren kleinen Zimmern an. Dort stand auch der Herd. Im Hinterhof gab es einen Brunnen. Einige Geschäftsleute vertrieben Öl und Wein, andere hatten eine Werkstätte und bearbeiteten als Schmiede oder Gießer Eisen und Bronze.
In Lopodunum hatten sich viele Töpfer angesiedelt. Lehme und Tone als Grundstoffe gab es dazu in der Umgebung der Siedlung in genügender Menge. Wegen kürzerer Transportwege und auch wegen der Rauchbelästigung im Wohnbezirk wurden später Töpfereien und auch die größeren Ziegeleibetriebe vor der Ortschaft angelegt.
Zu einer wohlausgebauten römischen Siedlung gehörten ferner eine Taverne und für durchreisende Händler ein Rasthaus, das ihnen Unterkunft und Verpflegung bot. In jeder römischen Siedlung, so auch in Lopodunum, gab es Badeanlagen. die sogenannten Thermen. Das Badegebäude war gut 40 m lang. Mit der üblichen Warmluftheizung wurden die Baderäume je nach Bedarf gewärmt. Die Wände waren nach der Art römischer Gebäude in der südlichen Heimat ausgemalt. Wandmalereien leisteten sich auch die reicheren Hausbesitzer.
Direkt am Rande der Wehrmauer stand das Theater. Das Bühnenhaus erstreckte sich entlang der Stadtmauer etwa 90 m lang. Für das Halbrund der Sitzränge mußte ein mächtiger Wall aufgeschüttet werden, da keine natürliche Bodenerhebung den Bau hier unterstützen konnte. In Kriegszeiten wurde schon einmal das Theater als Bollwerk vor der südöstlichen Stadtmauerecke genutzt.
In verschiedenen Heiligtümern verehrten die Einwohner ihre Götter. Zur Götterhuldigung stellten sie auch mächtige Säulen auf. Ein Viergötterstein als Sockel zeigte die Bildnisse von vier römischen Göttern. Ausonius, der Stifter der Säule, gab damit den für eine Ortschaft wichtigen Göttern die Ehre: Hercules war der Beschützer der Straßen und des Hafens, Mercur der Gott des Handels und Verkehrs; in Juno sahen die Römer die Göttin des Hauses und der Familie und mit der Göttin Minerva zusammen auch Beschützerin des Staates. Die auf dem Viergötterstein aufragende, verzierte Säule trug oben den reitenden Göttervater Jupiter, der von einem Giganten gestützt wurde.
Als die Alamannen um 233 n.Chr. zum ersten Male Lopodunum stürmten, wurde diese Säule umgestürzt. Die zerbrochenen Teile wurden in den nahen Brunnen geworfen. Als zunächst wieder Ruhe einkehrte, ließ man die Säule notdürftig wiederherstellen und erneut aufrichten. Dann aber folgte der große Alamanneneinfall im Jahre 259/260 n.Chr. Die alamannischen Stämme stürmten den Limes; wieder fiel Lopodunum in die Hände der Eroberer. Ein zweites Mal wurde die Jupitergigantensäule zerstört und im Brunnenschacht versenkt. Vielleicht beabsichtigten die alamannischen Angreifer die Macht der römischen Götter dadurch zu bannen. In den folgenden Jahrzehnten behielten einmal die Alamannen, einmal die Römer in den vielen Kämpfen die Oberhand. Kurzfristig gelang es den Truppen des Kaisers Valentinian im Jahre 370 n.Chr., Lopodunum nochmals in römische Hand zu bringen. Kaiser Valentinian ließ in der zum Teil aufgegebenen Ortschaft ein Befestigungsbauwerk direkt am Neckarufer mit Schiffsanlegestelle errichten. Der ummauerte Wehrturm sollte den Neckarübergang für das römische Heer erhalten. Aber auch dieses Bollwerk konnte das Ende römischer Herrschaft in Lopodunum nicht aufhalten.
Im Jahre 1974 erlebte die zweimal in den Brunnen geworfene Jupitergigantensäule eine Wiederaufrichtung. Nachdem man durch Zufall bei Bauarbeiten den verschütteten Brunnen entdeckt und untersucht hatte, wurde sie in alter Weise restauriert und beim Bischofshof aufgestellt. Die Jupitergigantensäule und weitere noch sichtbare Reste römischer Gebäude und die vielen im Lobdengau-Museum ausgestellten Funde sind beredte Zeugen der römischen Vergangenheit der heutigen Stadt Ladenburg und der römischen Herrschaft in Südwestdeutschland.
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