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Bildkomposition


Zu den wichtigsten Dingen in der Fotografie gehört eine gelungene Bildkomposition. Für einen guten Bildaufbau gibt es einige Regeln, die beachtet werden sollten. Auf diese und weitere hilfreiche Tipps möchten wir in diesem Artikel nun genauer eingehen.

 

1. Blickfang

Versuche mit Augenkameras haben gezeigt, dass der Betrachter nicht, wie oft angenommen, ein Bild von links oben nach rechts unten „abliest“, sondern vielmehr zuerst den Gegenstand, der ihm am meisten auffällt, ins Auge fasst. Deshalb sollte es in jedem Bild ein Objekt oder einen Punkt geben, der die Aufmerksamkeit erweckt – das Hauptelement bzw. der Blickpunkt. Übliche Formen werden dabei schneller erfasst als ungewöhnliche. Gegenstände, die nahe beieinander liegen, erwecken eine Zusammengehörigkeit. Das gilt auch, wenn sie durch optische Linien verbunden sind. Durch dieses Wissen kann man also den Betrachter ganz gezielt auf einen bestimmten Punkt mit Hilfe der Bildkomposition und des Aufbaus lenken.

Vor allen Dingen ist es wichtig, dem Bild ein bestimmtes Thema zu geben und diesem treu zu bleiben. Es geht nicht darum, alles auf einmal in ein Bild zu packen.

Beispiel: Tante Erna ist mit ihrer Nichte Marie nach Köln gefahren. Erna möchte ihre Nichte nun gern vor dem Kölner Dom fotografieren. Sie wählt den Ausschnitt so, dass man fast den gesamten Dom gut erkennen kann. Als Marie sich aber zu Hause das Foto anschaut, ärgert sie sich, da von ihr kaum mehr als eine Silhouette erkennbar ist.

Es ist also wichtig, zu überlegen, ob man eher ein Portrait oder eben die Aufnahme des Doms umsetzen möchte. Beide Dinge in einem Foto zu vereinbaren ist schier unmöglich!

Im genannten Beispiel entpuppte sich Marie auf dem Bild vielleicht sogar als störendes Nebenelement. Es gilt, Nebenelemente, so zu wählen, dass es dem Betrachter selbst überlassen ist, worauf er sich lieber konzentrieren möchte – welches Element er als sein Hauptelement wählt.

Es lohnt sich also, sich schon vor dem Drücken des Auslösers zu fragen: Trägt wirklich alles, was ich im Sucher sehe, zu meinem Bild bei?

 

2. Goldener Schnitt

Die Dreiteilung, der sogennante Goldene Schnitt, wurde wie viele andere Bildgestaltungsregeln aus der Malerei übernommen.

Goldener Schnitt

Die Regel für den Goldenen Schnitt entstammt der Harmonielehre der Antike. Sie besagt, dass ein Punkt eine Strecke so teilen muss, dass sich das längere Stück zum Ganzen verhält wie das kürzere Stück zum längeren. Eine Faustregel vereinfacht die in Wirklichkeit komplizierte mathematische Formel: Das längere Teilstück entspricht etwas mehr als 60% des Ganzen, das kleinere etwas weniger als 40%. Der Blickpunkt liegt damit dann möglichst genau im Goldenen Schnitt.

 

Wichtige Punkte des Bildes sollten auf den Schnittpunkten liegen. Man kann den Goldenen Schnitt natürlich auch auf ein Nebenelement legen. Nichts desto trotz sollten Sie beachten, dass der Goldene Schnitt allein noch kein perfektes Bild „zaubern“ kann. Im Gegenteil: Lässt man weitere wichtige Gestaltungsmittel außer Acht, kann das Motiv langweilig wirken.

 

3. Symmetrie und Linien

Es ist zwar keine absolute Regel, aber die besten Bilder sind meist asymmetrisch. Wird Symmetrie bewusst und richtig eingesetzt, kann sie jedoch auch das Besondere hervorheben und die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt lenken. Im folgenden zwei Beispiele:

 

Symmetrie   AsymmetrieBeispiel für unterstützende Symmetrie    Beispiel für Asymmetrie

Auf dem ersten Foto ist deutlich zu sehen, wie der Torbogen durch seine Anordnung in der Mitte des Bildes erst richtig zur Geltung kommt. Der Mittelpunkt des Kreises liegt genau mittig im Bild. Dadurch wird zum einen das Tor zum Blickfang für den Betrachter, zum anderen unterstützt die Symmetrie die Architektur des Bauwerks.

Die Asymmetrie des Bildes rechts kommt einerseits durch die Diagonale der Steine zustande. Andererseits ist der Pinguin nicht genau in der Bildmitte angeordnet. Es entsteht ein lebhafter Eindruck, das Motiv verkommt nicht als langweiliger Schnappschuss. Des Weiteren unterstreicht der Schatten des Pinguins die Wirkung der Asymmetrie und verhilft dem Foto zu Spannung.

In einem Bild gibt es aber nicht nur symmetrische und asymmetrische Linien, sondern auch sogenannte Kraftlinien, die das Bild „tragen“. Diese Linien verleihen einem Bild Dynamik, das Auge des Betrachters folgt ihnen, sie nehmen ihn „an die Hand“.

KraftlinienDieses Beispiel wirkt bereits auf den ersten Blick monumental. Wodurch wird diese Wirkung unterstützt?

Die Sache liegt auf der Hand: hier wirken Symmetrie und Kraftlinien stabilisierend, das Bild bekommt eine gewisse Dynamik durch seine Komposition, die Linien sind offensichtlich.

Zur Verdeutlichung hervorgehoben:Kraftlinien

Die dominierenden Horizontalen und Vertikalen leiten den Blick sofort in die Mitte des Bildes. Unterstützt wird die starke Komposition durch die Diagonalen, die die Figuren am Eingang sowie die Querflügel des Schlosses schaffen.

 

Außerdem sind in diesem Bild die typischen Grundformen sofort ersichtlich: die einfache Linie, Drei- und Vierecke sowie der Kreis.

 

4. Aufmerksamkeit durch Schärfe und Unschärfe

Blende und Zeit geben dem Fotografen die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit des Betrachters gezielt auf ein Detail zu lenken und somit einen Blickfang zu schaffen. Die Schärfe kann vom Fotografen mit Hilfe verschiedener Faktoren beeinflusst werden.

Durch Abblenden der Blende wird der Schärfebereich ausgedehnt, durch Aufblenden eingeengt. Hat man seine Technik im Griff und das Funktionsprinzip der Blende verstanden, lassen sich zum Beispiel vor allem bei Portraits die Hautpartien richtig scharf stellen.

Da es sich bei einem Foto grundsätzlich um ein zweidimensionales Bild handelt, ist es vor allen Dingen auch durch eine gekonnte Beeinflussung der Schärfe möglich, einen räumlichen Eindruck zu schaffen. Durch eine geringe Schärfentiefe, sprich: die Schärfe liegt auf dem Vordergrund, kann der Effekt von Tiefe wirkungsvoll unterstützt werden und das Foto an Räumlichkeit gewinnen.Unscharfer Hintergrund  Unscharfer Vordergrund

Im ersten Bild liegt der Fokus eindeutig auf der Skulptur, die Landschaft im Hintergrund ist unscharf. Man hätte die Skulptur auch gegen den Himmel freistellen können, doch erst durch die angedeutete Landschaft im Hintergrund erhält das Bild seinen Charakter.

Das Foto rechts hingegen macht die Wirkung deutlich, wenn der Fokus auf dem Hintergrund liegt. Interessant für den Betrachter ist nun nicht die Plastik in der Mitte des Bildes, sondern die Landschaft, in die sie integriert wurde. Das clevere Spiel mit dem Hintergrund kann die Aussage eines Bildes bestimmen.

 

5. Der Horizont

Eine einfache Regel sollte jeder Fotograf beherzigen: Zwei Drittel Erde, ein Drittel Horizont – oder umgekehrt. Hingegen sollten zwei Dinge tunlichst vermieden werden: Der Horizont in der Mitte des Bildes und der schräge Horizont. Denn dies zerstört viele Landschaftsaufnahmen.Tiefer Horizont

Dieses Bild zeigt einen tiefliegenden Horizont. Einen solchen sollte man nur wählen, wenn der Himmel eine interessante Färbung hat oder in besonderer Form strukturiert ist. Die tiefe Horizontale vermittelt Ruhe, Weite und Unendlichkeit. Hin und wieder kann das Bild aufgrund des Wolkenspiels beispielsweise auch bedrohlich wirken.

Hochliegender Horizont

Mit einem hochliegenden Horizont begrenzt man den Blick des Betrachters. Der Himmel ist zwar weiterhin sichtbar, jedoch lässt eine derartige Komposition kaum Interpretationsspielraum. Blickpunkt ist in erster Linie die Erde.

 

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Artist: Blowned
Date: 24.07.2008
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Comments:

jeger
01.17.2010 15:30
 

Informativ und leicht verständich erklärt. Danke dafür! LG jeger
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lexana
06.23.2011 22:07
 

Sehr gut erklährt anhand der Fotos gibt es keine Mißverständnisse.
HG Xana
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